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Vulkanausbrüche, Frauen und andere Naturkatastrophen

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Es war eine denkwürdige Rückreise, wie sie wohl nur so und nicht anders hätte ablaufen können. Nach gut vier Monaten Buenos Aires machte ich mich auf in die Heimat zurück zu kehren und was ich auf meiner Reise erleben durfte, oder erleiden musste, wird noch in Jahrzehnten in Legenden berichtet werden.

Es fing schon mit der Taxifahrt an. Meine Beziehungen zum hiesigen Maxikiosko-Kartell brachten mich dazu ein Taxi um Punkt elf vor der Tür stehen zu haben. All die Hamburger, Hot-Dogs und Biere waren letztlich also doch zu etwas nütze 😉 Auf der Fahrt zum Flughafen kam dann irgendwann, wie originell, das Thema Hitler auf. Was sollte man auch sonst mit einem Deutschen bereden. Der Peruaner hat dann auch unumwunden von den verdammten Juden erzählt und konnte dies eigentlich nur noch dadurch steigern, dass Neger ja auch nur Juden sind. Toleranz wird hier ganz groß geschrieben.

Vom Suchen und Finden des geheimnisvollen Ringes
Meinen Flug verbrachte ich dann eingepfercht zwischen Frauen, von denen die zu meiner Linken im Grunde genommen nur zum Essen aufgewacht ist (beneidenswert) und ab und an ihr Bein auf meinen Schoß wanderte, während meine rechte Sitznachbarin samt Mutter gut 20 Minuten damit verbracht hat ihren verlorenen Ring zu suchen. Dabei hatte ich dann zwischenzeitlich ihren Hintern im Gesicht, da sie sich ja runterbeugen musste. Zugegeben, anlässlich des Hinterns, nicht die schlechteste Erfahrung, obwohl es doch eher eine komische Komponente besaß. Auch sonst schien sie wenige Berührungsängste zu haben, hatte ich doch zwischenzeitlich die Hälfte ihrer Sachen, einschließlich des Kosmetiktäschchens in der Hand.

CANCELED!!!
Doch die Freude währte nicht lange und entgegen all der Stoßgebete und Hoffnungen, kam die Enttäuschung auf dem Flughafen in Madrid. Keine Flüge nach Deutschland. Da stehst du also nun, nichts wissend und überlegst wie du nach Hause kommst. Nach endlos langen Minuten und Stunden in diversen Warteschlangen ist man natürlich kein Deut schlauer und sieht sich gedanklich schon auf der Flughafentoilette am Abend ein Bad nehmen im Waschbecken. Doch der Wille war da und obwohl von diversen Seiten abgeraten wurde, musste ich natürlich selber versuchen eine Alternative zum Flugzeug aufzutreiben. So verschwendete ich gut 60€ Taxigeld für zwei fünfminütige Touren zum Bahnhof, nur um mir sagen zu lassen, dass weder Züge noch Busse nach Deutschland fahren.

Derweil wäre ich aus Verzweiflung fast mit einem deutschen Pärchen zurück nach Deutschland im Auto gefahren. Kostenpunkt, 1500€ für das Auto. Doch, das Schicksal meinte es wohl gut mit mir, obwohl das zu dem Zeitpunk nicht ersichtlich war. Denn das Pärchen hat mich gegen ein anderes Pärchen eingetauscht und so machte ich mich zurück zum Flughafen. Dort angekommen erfuhr ich dann von einem vermeintlichen Bus nach München. Der wurde zwar nicht zum ersten Mal versprochen, schien dieses Mal jedoch in greifbare Nähe zu rücken. Alles was man dazu tun musste, war seine Bordkarte abzugeben. Nichts leichter als das, wäre die junge Dame, welche alles organisiert hatte nicht just in diesem Moment herausgetreten um alle Leute aufzurufen, die mitfahren dürfen. Neeeeeeeeeeeeeeeeeein!
Wie ihr euch denken könnt, stand ich nicht auf der Liste, denn ich hatte mich ja nicht angemeldet. Doch wer glaubt das wäre ein Grund für mich länger zu warten, der irrt. Ich habe der guten Frau dann also, halb spanisch, halb englisch klar gemacht, dass sie doch meine Bordkarte angenommen hätte und es ja wohl nicht mit rechten Dingen zugehe, dass ich nicht auf dieser ominösen Liste stände. Quälende Minuten, voll Schweiß und Tränen, Angst und Bange und natürlich jeder Menge hin und her verstrichen, bis ich eigentlich schon wieder vom Bus zurück an den Schalter dirigiert wurde, um mich für den nächsten Bus anzumelden, als die Frau noch einmal auf mich zukam und meinte ich solle jetzt aber schnell zum Bus flitzen und einsteigen. Yeeeeeeeeeeeha!

Chaos auf vier Rädern
Vielleicht hatte ich mich zu früh gefreut, oder das Schicksal meinte es gebe auch einen Preis für dieses ungeheure Glück und die Dreistigkeit meinerseits zu zahlen. Anders kann man sich die Tortur im Bus nicht erklären. Geschlagene 28 Stunden von Madrid nach München, mit unzähligen Pausen und Fahrern, die nicht fähig waren ein Navi zu bedienen. Der Komfort hat sogar noch den in der Holzklasse des Flugzeugs unterboten und ich wurde mir einer Sache schmerzlich bewusst: Ich bin zu alt für diesen Scheiß!

Nach unzähligen Telefonaten mit diversen Mitfahrgelegenheiten konnte ich dann letztlich noch für 17 Uhr eine auftreiben, die mich dann endlich meinem zuhause, Berlin, näher brachte. Doch auch hier galt, nicht zu früh freuen. Denn obwohl schon in Berlin angekommen, durfte ich auch hier noch einmal 20 Minuten in der eisigen Kälte der Mitternacht ausharren, da (wie sollte es auch anders sein) Mami und Papi von einer gesperrten Stadtautobahn aufgehalten wurden. Danke Gott, das machst du echt super!

Odyssee in Zahlen
In vier Tage, sprich von Freitag bis Montag, oder sagen wir Dienstag früh hatte ich lediglich 10 Stunden schlaf
Ich war nonstop 60 Stunden auf den Beinen, davon 12 Stunden Flug, 28 Stunden Bus und 7 Stunden Auto und habe Spanien, Frankreich, die Schweiz und natürlich Deutschland in einem Rutsch erleben dürfen.
Rund 2.000 Kilometer sind es von Madrid nach München, in denen sich unsere drei Busfahrer etwa alle zwei Stunden abgewechselt haben, sehr zum Leidwesen meiner Nerven.
Gut 15 Mitfahrgelegenheiten habe ich angerufen, mit Preisunterschieden von 25-40€ für die Fahrt.

Es ist schön wieder hier zu sein, aber hätte ich das gewusst, wäre ich noch ein paar Tage länger fort geblieben 😉