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Morgens 8 Uhr in der U-Bahn

Wieder einmal hatte ich das zweifelhafte Vergnügen mit der Groteske des menschlichen Daseins konfrontiert zu werden. Dem Wahnsinn ist die Tageszeit egal und so schleicht er sich teils auf leisen Sohlen und manchmal auch klappernd mit Steppschuhen in mein Leben.

Gebeutelte Gesichter, denen die Unlust gerade zu aus der Visage schreit reihen sich hier, wie die Hühner auf der Stange, Arm an Arm aneinander und Mitleid erfüllt den stickigen Wagon. Die Trostlosigkeit verführt zum Suizid und würde die Gestalt neben einen nicht noch viel schlimmer aussehen, hätte man schon längst den Strick gewählt.

Dabei durchbricht von Zeit zu Zeit das Bizarre in Form einer Person die frühmorgendliche Trance und zeigt einmal mehr zu welch lächerlicher Kreation unser Herrgott doch fähig ist. Ein Mitvierziger betrat die Bühne des Lebens und wähnte sich wohl unbeobachtet, was angesichts seiner äußerlichen Präsenz eigentlich unmöglich scheint. Entsprang er doch direkt einer Armisch-Sekte. Ob es zu viel Weihrauch, oder lediglich eine genetischer Defekt aus jahrzehntelanger Inzest war, kann ich nicht genau sagen. Doch seine immer wieder auftretenden Gesichtszuckungen, begleitet von hysterischen Augenzwinkern und schnaufenden Atmen wiesen auf den LSD-Trip des Jahres hin, zumindest aber bescherten sie ihm die volle Aufmerksamkeit. Im Zuge dieser Ablenkung wähnte sich eine Frau wohl in Sicherheit und hat nicht mit meiner außerordentlichen Gabe gerechnet auch im verborgensten Winkel das Elend zu erblicken. So hat besagte Frau kurzerhand genießt und vorbildlich die Hand davor gehalten, dumm nur, dass diesmal etwas mehr als gedacht heraus kam. Doch unerschrocken wie die Gute wohl war, schlürfte und saugte sie die Rotzreste beherzt aus der Hand. Für einen Moment wünschte ich mir dann doch den Strick herbei, war mir jedoch unsicher, ob für mich selbst, oder als Familienpackung für den überwiegenden Rest des Wagons.

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