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Serien als parallele Realität

Es ist gerade zu erbärmlich schön, wie man sich in Serien und deren Charaktere hineinversetzen kann. Wenn man schon keine eigenen Probleme hat, dann kann man noch immer die fiktiver Persönlichkeiten lösen und diskutieren. Es ist wohl diese Flucht aus der eigenen Realität, die Menschen dazu bewegt sich in Soaps hineinzuversetzen.

Hier lernt man wenigstens noch etwas über naive Moral, Pflichtgefühl und Anstand. Die Mischung aus pädagogisch wertvollem Seelenbalsam, Heile-Welt Sympathie und dem Visionärem, der Science-Fiction, wie sie uns bspw. bei Grey`s Anatomie geboten wird. Ich meine, seien wir doch mal ehrlich, in welchem Krankenhaus der Welt kümmern sich Ärzte so rührselig um ihre Patienten und fahren sie selbst zum OP, anstatt sie irgend einem Zivi zu überlassen, der sie wahrscheinlich in den falschen OP-Saal verfrachtet, und wo statt einer Blinddarmoperation eine Vasektomie vollführt wird. Das muss Science-Fiction sein! Oder man besinnt sich auf die wirklichen Werte des Lebens, Alkohol, Sex und Zynismus, wie in Californication. Hier wird man zumindest nicht betrogen und weiß, woran man ist. Ja, das Seriendasein vor dem Fernseher kann so abwechslungsreich und doch beruhigend sein. Eine Tüte Chips in der Hand und Tränen in den Augen sind dem wahren Leben allemal vorzuziehen. Hier erwarten uns nörglige Chefs, der Blick in den Spiegel und keine Superhelden, wie langweilig…