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Nur nicht denken

Manchmal liege ich einfach nur so da, regungslos, geistesabwesend. Ich starre an die Decke, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Immer wieder wälze ich mich von links nach rechts. Ich beobachte die Wände, als gäbe es hier tatsächlich etwas Interessantes zu sehen. Selbst das Muster der Bettdecke wird genauestens studiert, bis mir klar wird wie unsinnig das ist. Aber es lenkt ab, darauf kommt es wohl im Moment an. Es ist in seiner Groteske die wohl vernünftigste Art mich abzulenken. Nur nicht denken, nicht anfangen mich in Ernsthaftigkeit zu verlieren. Wer weiß, wo das hinführen würde.

Mühelos lässt sich so ein ganzer Nachmittag verbringen, bis man selbst davon so angestrengt ist, dass man einschläft. Wenn ich nur nicht soviel träumen würde. Das ist das schlimme an Träumen. Man kann seinen Kopf hier nicht abstellen, kann sich nicht ablenken und zwingen an etwas anderes zu denken. Man ist Gefangener seiner selbst. Wie ein Film, den man gezwungen ist zu schauen. Irgendwann wache ich dann wieder auf, müder als zuvor. Ich will nicht aufstehen, doch liegen bleiben will ich auch nicht, sonst könnte ich wieder einschlafen. Also stehe ich doch irgendwann auf, schleppe mich ins Badezimmer und putze mir die Zähne. Nur nicht in den Spiegel schauen. Es ist kein schöner Anblick. Die Last der Bedeutungslosigkeit kann schwerer sein als jede Verantwortung und hinterlässt bisweilen tiefe Furchen. Schon wieder viel zu viel nachgedacht für eine solch frühe Stunde; es ist 13.00 Uhr. Schnell die Zahnpasta ausgespuckt und bloß weg von diesem grellen, kalten Ort und hinein in die dunkle Wärme der Zerstreuung. War ja auch schon lange nicht mehr im Bett. Ich könnte einen Film gucken. Filme sind in solchen Situationen etwas Fantastisches. Sollten die Augen nicht zu müde vom nichts tun sein, so muss man nichts weiter machen, als da zu sitzen und kann sich berieseln lassen. Dumm nur wenn der Film eine tatsächliche Botschaft enthält und nicht darauf ausgelegt ist stumpfsinnige Unterhaltung zu bieten. Dann muss man nämlich doch nachdenken. So als wäre man vom teilnahmslosen Beifahrer auf einmal zum vollwertigen Fahrer befördert. So tun, als möchte man nicht, hilft hier auch nicht und aussteigen kann man leider auch nicht. Und bevor man sich versieht ist aus der Idee der belanglosen Nachmittagsunterhaltung eine Person mutiert, die vor ihrem PC sitzt und drauf los schreibt. Ganz toll.