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Aufwecken mal anders

Es ist 6.45 Uhr. An der Tür klingelt es Sturm. Herausgerissen aus irgend einem Traum nehme ich das Geräusch einige Sekunden später wahr und nachdem ich realisiert habe, dass dieses Klingeln nicht in meinem Kopf ist, sondern an meiner Haustür, schießt mir auch sofort ein Gedanken durch den Kopf. Welcher %§&$§! klingelt zu einer solch gottlosen Zeit an meine Haustür. Der Paketbote kann es nicht sein, denn die klingeln eigentlich immer nur dann, wenn man gerade nicht zuhause ist. Freunde ist unwahrscheinlich, denn die sind zumeist selber nicht in der Lage zu dieser Zeit das Bett zu verlassen. Also wer zum Teufel könnte das sein?

Schlaftrunken taumele ich zur Tür und mache auf und nach scheinbar nicht enden wollenden Momenten mit halb zugekniffenen Augen in unterdrückter, dumpfer Spannung sehe ich wer geklingelt hat. Es ist eine Polizistin. Eine Polizistin? Soweit ich mich erinnere, habe ich gestern nichts verbrochen und da ich nicht getrunken habe, gehe ich davon aus, DASS ich mich an alles erinnere. Doch die Sache ist schnell geklärt. In gewisser Hinsicht fragt sie trocken, charmant nach, ob ich einen Audi hätte und der an der xy-Straße stünde. Geistesgegenwertig und mit leichter Verzweiflung in der Stimme antworte ich nur: „Das hoffe ich.“ Leider zaubert dies nun kein Lächeln auf ihr Gesicht und meine Sorgenfalten werden größer. Mein Körper stellt sich auf die bevorstehende Bedrohung ein, schüttet Adrenalin aus und lässt mein Herz schneller schlagen. Hey, das ist mal `ne Art geweckt zu werden. Ich weiß nicht wann ich das letzte Mal so munter am frühen morgen war. Doch all die Panik war umsonst. Sie erklärt mir, dass ich in einer Einfahrt stehe und doch bitte wegfahren solle, jetzt. Das jetzt hat sie wahrscheinlich nur erwähnt, weil sie meinen müden Gesichtsausdruck wahrgenommen hat und sich so sicher sein konnte, dass ich mich auch tatsächlich anziehen würde und den Wagen umgehend wegfahre. Gesagt, getan, und schon war ich auf dem Weg durch die Eiseskälte zu meinem Wagen. Die Polizistin stand auch schon dort und nach einem kleinen Pläuschchen, in der ich den Sachverhalt erklärt habe, gab sie mir zu verstehen, dass der Anrufer, der diese Todsünde gemeldet hat, auch gleich hinzufügte , dass ich hier ja fast immer stünde. Na, klar. Ich habe nichts Besseres zu tun, als mich mindestens einmal die Woche abschleppen zu lassen und die restlichen Tage von Polizistinnen zu früh geweckt zu werden. Obwohl das ja sicher ein ganz spaßiger Zeitvertreib wäre, gehört es nicht zu meinen Angewohnheiten, was ich der Dame wohl auch glaubhaft versichern kann. Denn hier kommt das Unerwartete, sie versteht es. Mit einer mündlichen Verwarnung und dem Tipp das gesparte Geld Notdürftigen zu Gute kommen zu lassen, lässt sie mich davon fahren und ich hatte Glück im Unglück. Nun, das Geld ist bei Notdürftigen gelandet (nämlich mir 😉 und eine Erkenntnis ist gewachsen. Man kann mit der Polizei auch vernünftig reden, sogar am frühen Morgen UND es gibt immer ein Arschloch, das deine Fehler ausnutzt und dir einen reinwürgen will!