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Gefangen zwischen Apfelsorten

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Vor kurzem musste ich feststellen, dass ich langsam aber sicher alt werde. Oder vielmehr wird mein Umfeld zusammen mit mir alt. Vor vielen, vielen Jahren waren Matchbox-Autos und der Sandkasten Thema #1, dann war die nächste Party ständig im Gespräch oder Klamotten und der Computer waren angesagt. Heute, scheinbar etliche Jahre später hat sich das alles jedoch geändert. Denn mit Erschrecken musste ich feststellen, wie sich meine Freunde ganz angerregt über Apfelsorten unterhielten.

Früher hat man sich darüber lustig gemacht. Jetzt ist man gefangen in einem Alltag aus Apfelsorten und der Wahl des besten Weichspülers. Interessiert wird sich über die Vorzüge von Golden Delicious, Pink Lady, Fuji oder Jamba ausgetauscht. Und ja das alles sind verschiedene Apfelsorten!
Gespräche wie dieses haben so tatsächlich stattgefunden:

Freundin1: „Ja, also zum Backen ist der Braeburn ja viel besser!“
Freundin2: „Wobei ich Jonagold ja zum Essen ganz gut finde, die sind nicht so mehlig. Ach, und Jonathan ist auch nicht schlecht“
Freundin1: „Ich mag auch Granny Smith, obwohl der manchmal zu sauer ist und in den Mundwinkeln brennen kann…“

Wie man sich vorstellen kann, ging dieses Gespräch so noch über gefühlte Stunden und inmitten des monotonen Horrors, an einem Punkt wo man denkt es könne nicht schlimmer werden, wechselt das Thema auf Waschmittel. Wo man früher für seine Kleidung ausgelacht wurde, ist man heute wegen der Wahl des Waschmittels ein Außenseiter. Kein „Color&Style“ oder gewaschen ohne „Kalkaktiv“, wie kannst du nur? Ob Pulver, Perlen oder Gel, all das scheint über die Zukunft der Menschheit zu entscheiden. Wenn dann auch noch über die Vorzüge und Nachteile vom Tampons zu Slipeinlagen philosophiert wird, und ob der Jumbo-OB wirklich besser die schlimmsten Tage aufhält, als die Flügel-Always, steht das Tor zur Hölle weit offen und man wünscht sich eigentlich nur noch hineinzuspringen.

Als ich mich dann auch noch selbst ins Abseits katapultierte, mit der Bemerkung, dass ich nicht mal wusste, welche verschiedenen Apfelsorten es gibt, war das Geschrei natürlich groß. Für Sekunden hatte ich überlegt ihnen zu sagen, dass es mir auch völlig egal ist, doch dann hätte ich heute wohl keine Freunde mehr 😉