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EM 2008 – wenn Deutsche singen

Ein Fest der guten Laune. So kann man wohl das gestrige Spiel gegen Polen am Besten beschreiben. Neben dem eigentlichen Siegestaumel und der Freude über den Sieg, ist wohl ein Phänomen besonders hervorzuheben, der Gesang. Wenn Deutsche geeint im Rausch ein Liedchen trällern, ist dem musikalischen Genuss keine Grenze gesetzt.

Nahezu unübertroffen für solch begnadete Klänge, sind Bahnhöfe oder aber schallisolierte Bahnen, Busse etc. Erst hier wird das volle Potential entfaltet. Wenn beengte Kabinen, in schwülwarmen, überfüllten Räumen den Dunst aus Bier und Schweiß konzentrieren, ist Mundgeruch die wahre Krönung einer olfaktorisch, befremdlichen Umgebung. Hier wird in graziler Synchronität zu einprägsamen Trommelgeräuschen im Takt gesungen. Eine orchestrale Meisterleistung, die nur durch ihre immer wiederkehrenden Jingles übertroffen wird. Denn wenn man zum vierten Mal innerhalb von fünf Minuten dieselbe Melodie, mit demselben Lied von denselben grölenden Leuten hört, überkommt einen ein verstärktes Gefühl der Aggression. Zappelnde, schwitzende Körper pressen sich mit Ihren in den Himmel gestreckten Armen und den freiliegenden, behaarten Achseln in dein Gesicht und fordern dich unweigerlich dazu auf, mit ihnen zu tanzen. Ein erhebendes Gefühl!

In solchen Momenten wünschte man sich, man hätte doch auf das Public Viewing verzichtet und würde nun wohlbehütet mit Freunden zuhause vor dem Fernseher sitzen, anstatt sich Gedanken über körperliche Hygiene und ansteckende Krankheiten per Hautkontakt machen zu müssen.