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Wenn einen der Alltag einholt

Mein erster Gedanke war, es passiert dass die Monotonie des Alltags einen einholt. Doch dem ist nicht so. Passieren, setzt ein plötzliches Geschehen voraus. Man ist jedoch vielmehr in einer Lethargie gefangen, die sich allmählich anschleicht. Ohne es zu realisieren, steckt man plötzlich inmitten belangloser, täglicher Routine und verliert den Blick auf Wesentliches.

Viel zu oft versäumt man es, sich an seiner bloßen Existenz zu erfreuen. Sein Innerstes zu fokussieren auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Es fängt im Kleinen an und endet irgendwo in vereinzelten Momenten von wahrer Erkenntnis, die aber all zu schnell überschattet bzw. unterbrochen werden vom Arbeitsstress, Zukunftsängsten oder bloßer Ablenkung phrasenhafter Gedanken, wie: „Was muss ich morgen alles einkaufen?“. Man vergisst sich selber und sein Umfeld über die Probleme des Alltags. Warum sage ich meiner Freundin oder Frau nicht, dass ich sie liebe? Weil ich ein schlechter Mensch bin, weil ich nur an mich selber denke? Nein, der schlichte und dennoch ergreifende Grund ist, dass ein vermeintlich anderes Problem diesen Gedanken verdrängt. Nur wenige von uns sind in der glücklichen Lage, sich dieser Gedanken entledigen zu können. Karrierefortschritt, wie zahle ich die Miete oder was mache ich an meinem freien Abend, sind zwar gesellschaftlich wichtige Aspekte. Für die wirklich wichtigen Dinge im Leben aber absolut nebensächlich. Wenn ich meinem Job nachgehen muss, mir Sorgen mache über meine nächste Klausur oder wann ich das nächste mal meine Wohnung sauber mache, dann sind das Zwänge, die in einem normalen Leben unabdingbar sind, jedoch ablenken von substantiellen Gedanken. Es hört sich heuchlerisch oder predigend an, ist im Grunde aber ein nachvollziehbarer Gedanke, dem man nur zu selten nachkommt, weil es unbequem ist. Es ist nun mal einfacher, sich nach einem anstrengenden Tag vor den Fernseher zu hocken, etwas zu trinken oder in sonst einer Weise abzuschalten, als sich um sein Dasein zu kümmern. Man will Spaß haben, anstelle von Ernsthaftigkeit.

Man sollte sich jedoch manchmal die Zeit nehmen und zur Ruhe kommen. Einfach mal hinsetzen und an gar nichts denken. Das ist schwerer, als man denkt. Den Gedanken freien Lauf lassen, jedoch weg vom alltäglichen Einerlei. Besinnen auf das Dahinter…