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Stylingfragen

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Damals war alles anders…
Männer trugen unauffällige Hosen, dazu ein adrettes Hemd und meist einen Seitenscheitel. Die Frau begnügte sich mit einem, nennen wir es einfachem Kleid, Zöpfen oder einer braven Hochsteckfrisur. Aus heutiger Sicht wirkt das natürlich ein wenig bieder, war aber damals sicher todschick, im wahrsten Sinne des Wortes. Mag alles nicht ganz der Wahrheit entsprechen, aber so stellt man sich das nun einmal vor. Und seien wir doch mal ehrlich, viel Auswahl gab es vor 50 Jahren eh nicht, da war man teilweise zufrieden, wenn man sich überhaupt irgendeine Pomade in die Haare schmieren konnte. 😀

Heutzutage ist das Ganze freilich etwas schwieriger. Von der Werbung geprägt, von Mode eingenommen und im Bewusstsein gefallen zu müssen, ist der meist morgendliche Akt der Stylefindung eine Wissenschaft für sich.

Angefangen mit dem Zähneputzen. Welche Zahnpasta darf’s denn sein. Die mit extra Fluorid, Kräutergeschmack, gegen schmerzempfindliche Zähne oder doch lieber etwas erfrischendes mit Himbeergeschmack? Nicht zu vergessen, ob man dabei eine normale Zahnbürste, mit kleinem Kopf, schräggestellten Borsten nimmt oder doch lieber die elektrische, mit rotierendem Bürstenkopf und Schallwellen gegen hartnäckigen Schmutz. Nachdem man sich nun also hier endlich entschieden hat, kommt die Gesichtspflege. Nehm ich lieber nur Wasser, der Naturtyp sozusagen, oder sollte es doch eine richtige Seife sein? Wir hätten da zum Einen die Handseife mit ph-neutraler Formel, gegen eine Waschlotion mit Aloe-Vera oder Mandelbutteraroma. Beide natürlich ohne Tierversuche entwickelt. Clearasil oder die wöchentliche Ayurvedapackung ist da mal außen vor.
Nachdem man sich nun also dem Grundlegenden gewidmet hat, folgt die Kür. Beim Manne heißt das den Bartwuchs stutzen oder gar beseitigen. Das kann dann natürlich nass oder trocken geschehen. Ob mit 3, 4 oder mittlerweile sogar 5 Klingen nebst Ultraschall, eingebauten Gelpad und demnächst wohl auch einem Drucksensor für die sanfte Rasur oder dem elektrischem Pendant mit Mehrfachklingen, Schaumspender und Reinigungsset inklusive. Die wachsende metrosexuelle Fraktion, wie sie noch genannt wird, zupft sich dann auch noch mal schnell die Augenbrauen, um nicht mit Augenraupe außer Haus zu gehen und rasiert sich auch noch schnell die Nasenhaare. Zu guter Letzt wird dem Haar die volle Aufmerksamkeit geschenkt. Und nach schier unendlichen Minuten hat man es mit seinem Out-of-Bed-Gel geschafft, eine perfekte Imitation dessen zu schaffen, wie man früher am Morgen eh schon ausgesehen hat. Wahnsinn was die Haargelatine von heute im Stande ist zu vollbringen!
Das weibliche Geschöpf hat da aber noch ganz andere Sorgen. Make-Up ist hier das Schlagwort. Für die Augen gibt’s da den Kajal oder Eyeliner und wehe man denkt, dass wäre das Selbe! Ob also mit Stift oder lieber flüssig mit dem Pinsel aufgetragen, wasserfest oder beim ersten Heulen verschmiert. Für wirklich ausdrucksstarke Augen muss dann noch der Mascara her, mit großer oder kleiner Bürste, geschwungenen und sich verjüngender Passform. Vollendet wird diese Partie dann noch mit Lidschatten, passend zur Bluse bzw. dem T-Shirt. Übrigens gibt es hier ein weit verbreitetes Phänomen, Frauen können sich die Augen nur mit offenem Mund schminken, mal darauf achten! Wo wir beim nächsten Objekt sind. Nimmt man nun lieber Lippenstift, Lipbalm oder Lipgloss und das ganze dann noch kombiniert mit Lipliner oder belässt man es natürlich, wobei das bedeutet, man benutzt noch Lippenpomade; auch hier mit fantastillionen Auswahlmöglichleiten. Rouge und Nagelpflege erspar ich euch jetzt einfach mal.

Folgt nun also der Teil des Anziehens. Hier beherrscht bei Männern die ausgewaschene Hose mit „installierten“ Rissen und/oder Farbflecken das Bild. Wo Opa uns´nen Fünfer in die Hand drückt und sagt: „Damit de dir die Löcher stopfen lässt!“ Bei der Schuhwahl fällt es dann ebenso schwer. Lässig mit Chucks oder dann doch lieber mit eingebauten Federn, Luftkissen, atmungsaktiv oder Drahtlosverbindung zum Ipod.

Zu guter letzt kommt dann noch die schwierige Frage des Accessoires. Ob Armband, Kette, Ring, Uhr oder permanenten Nebensachen à la Lippenbändchen/Nasen/Ohrpiercings, kombiniert mit einem drölffarbigen Unterarmtattoo und einem Branding am Oberarm. Natürlich geht es auch dezenter, keinesfalls aber weniger opulent.

Mittlerweile sind dann gefühlte Stunden ins Land verstrichen, der halbe Kleiderschrank ist auf den Kopf gestellt und man kann fast schon wieder duschen, da die ganze Hektik am morgen kombiniert mit dem Stress, schweißtreibend wirken. Da steht man nun also vor dem Spiegel, noch offene Fragen stehen im Raum, wie die Wahl der Jacke, ob und wenn ja, welche Tasche, bei kaltem Wetter Handschuhe und Schal und denkt sich dann – scheiße, dass passt immer noch nicht zusammen! Und man fängt von vorne an.